HISTORISCHER BAHNHOF
POSSENHOFEN
History
TIMELINE
Von den Anfängen bis heute – dieser Ort erzählt mehr als nur seine Geschichte. Eine Reise durch Zeit, Architektur und Veränderung.
1849 - 1864
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BEGINN DER EISENBAHN
Am 7. August 1849 wurde die „AG für den Zweck des Bauens und Betriebes einer Eisenbahn von München nach Starnberg“ gegründet. Die Initiative ging von Maximilian II. von Bayern aus, die Bauleitung übernahm der Eisenbahnpionier Johann Ulrich Himbsel. Bereits am 24. November 1854 fuhr der erste Zug von München nach Starnberg.
Nach der Verstaatlichung der Bahn im Jahr 1861 wurde die Strecke weiter ausgebaut und bis 1866 nach Tutzing verlängert.
Ursprünglich war nur ein Bahnhof bei Feldafing geplant, da von dort die herrschaftlichen Anwesen gut erreichbar waren. Warum schließlich auch Possenhofen eine eigene Station erhielt, ist nicht eindeutig geklärt – möglicherweise auf Initiative von Herzog Max Joseph in Bayern oder Maximilian II. von Bayern selbst.
Im Jahr 1864 wurde der Bau beider Bahnhöfe ausgeschrieben, wobei für Possenhofen von Anfang an feststand, dass er den „allerhöchsten Herrschaften“ vorbehalten sein sollte.


1865
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BAU
Der unter Denkmalschutz stehende Bahnhof Possenhofen wurde 1865 erbaut. Architekt: Georg v. Dollmann, deutscher Baumeister (geb. 1830, gest. 1895).
Von ihm wurden u.a. die Märchenschlösser "Herrenchiemsee" 1878-1885, "Linderhof" 1874-1878 und "Neuschwanstein" 1869-1886 für König Ludwig II von Bayern, erbaut.
1869
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ANKUNFT SISI
Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn kam erstmals im Juli 1869 in ihrem Salonwagen in Possenhofen an. Im Bahnhof befand sich ein elegant mit Seidentapeten und reichem Stuck verzierter sowie mit Deckengemälde-Medaillons dekorierter herrschaftlicher Wartesalon. Zu diesem Wartesalon gehörte auch ein öffentlicher Telefonraum mit zusätzlichem direktem Zugang vom Wartesalon aus. Die Herrschaften konnten sich außerdem in einem Toilettenraum frisch machen und schminken, zu dem auch eine kleine Toilette gehörte. Vom Bahnhof fuhren Kutschen zum Schloss Possenhofen, das auch in zehn Minuten zu Fuß erreichbar ist.


1870 - 1880
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GLANZZEIT
Die 1870er- und 1880er-Jahre gelten als Glanzzeit des Bahnhofs Possenhofen. Der „hochherrschaftliche Wartesalon für höchste und allerhöchste Herrschaften“, der sogenannte Königssalon, unterstreicht seine besondere Bedeutung.
Zeitgenössische Überlieferungen berichten, dass auch hochrangige Gäste aus dem Umfeld von Sisi – vereinzelt wird auch Franz Joseph I. genannt – über diese Station anreisten.
Vom Bahnhof aus erfolgte die Weiterfahrt in der Regel per Kutsche zum nahegelegenen Schloss Possenhofen, dem Landsitz der Familie, das Elisabeth in ihrer Kindheit liebevoll „Possi“ nannte. Heute ist das Schloss nur noch von außen zu besichtigen.
ab 1900
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BEDEUTUNGS-VERLUST
Mit dem Ende der Könige und Herzöge in Bayern um die Jahrhundertwende verlor auch der Bahnhof Possenhofen langsam seinen Glanz und seine Bedeutung. Ab 1910 wurde die Bahnstrecke meist von Sommerfrischlern oder eben zum Abtransport der Penzberger Kohle benutzt.
Man sparte an allem, sodass auch das Bahnhofsgebäude zunehmend Schaden nahm. Dann wurden die Fahrkartenschalter durch Automaten ersetzt und die Warteräume geschlossen.

1960/ 1970
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UMBAU & FUNKTIONS-WANDEL
Mit der Einbindung in den modernen Bahnverkehr wurde das Bahnhofsgebäude an neue Anforderungen angepasst. Das ursprüngliche Nutzungskonzept – Bahnbetrieb im Erdgeschoss und Wohnräume für Personal im Obergeschoss – blieb bis etwa 1970 bestehen.
In dieser Zeit, als sich das Gebäude im Besitz der Deutschen Bundesbahn befand, wurden die Wohnräume modernisiert und teilweise neue Fenster und Türen eingebaut, während im Erdgeschoss noch historische Elemente erhalten blieben.
Der ehemalige Königssalon wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Turnhalle genutzt und im Zuge einer größeren Renovierung um 1970 – auch im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 1972 – wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückgeführt. Gleichzeitig kam es zu Veränderungen im Grundriss, etwa durch zugemauerte Zugänge vom Vorplatz und geschlossene Türöffnungen zu den Gleisen.
Eine bauhistorische Befunddokumentation aus dem Jahr 2006, erstellt im Rahmen einer Begehung mit dem Kreisbauamt und dem Denkmalschutz, hielt diese Entwicklungen und Umbauten fest.

2000er
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WIEDER-
ENTDECKUNG
Erst um 1999 wurde sein historischer Wert wieder erkannt: Der Starnberger Archivar und Sisi-Sammler Paul Heinemann und seine Frau Anita initiierten eine erste Ausstellung zur Erinnerung an Elisabeth von Österreich-Ungarn im Bahnhofsgebäude.
Der Ort selbst – eng verbunden mit der Geschichte der Kaiserin – wurde zur Inspiration für das Projekt.


2004
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RESTAURIERUNG
Die Ausstellung weckte auch in der Gemeinde Pöcking ein neues Bewusstsein für die historische Bedeutung des Bahnhofs. In Verhandlungen mit dem Antiquar Heinemann konnte ein Großteil seiner Exponate übernommen und die Ausstellung dauerhaft gesichert werden.
Da sich das Gebäude in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand befand, entschloss man sich zu einer umfassenden Instandsetzung. Der historische Königssalon konnte nach originalen Vorlagen mit viel Liebe zum Detail in den Zustand seiner Erbauung zurückversetzt werden. Stuckelemente an Decken und Wänden wurden ausgebessert und die ehemaligen Wandbespannungen durch eine farblich passende Tapete imitiert.
Nach dem Kauf durch eine Investorengemeinschaft wurde zudem eine umfassende Restaurierung der Fassade durchgeführt und das ursprüngliche Farbkonzept des Gebäudes rekonstruiert.
ab 2005
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MUSEUM
Zur ideellen und organisatorischen Unterstützung der Ausstellung wurde am 4. Juli 2005 der „Kaiserin-Elisabeth-Museum e. V.“ gegründet. Der Verein betreut seitdem die Ausstellung und entwickelt sie kontinuierlich weiter.
Heute präsentiert das Museum im ehemaligen königlichen Wartesaal eine Vielzahl an Exponaten, Bildern und Dokumenten aus dem Leben von Elisabeth von Österreich-Ungarn und ihrem Umfeld.
In einem Nebenraum wurde eine Sonderausstellung über die der Kaiserin gewidmeten Denkmäler und Statuen eingerichtet. Dort werden Bilder von fast allen Elisabeth-Statuen oder Denkmälern gezeigt.
Damit ist der Bahnhof Possenhofen nicht nur ein historisches Bauwerk, sondern zugleich ein lebendiger Erinnerungsort.

MEDIEN
Im Medienbereich finden Sie ausgewählte Bilder des Bahnhofs sowie Videos zu Elisabeth von Österreich-Ungarn und dem Museum.












